Die Ergebnisse auf einen Blick

N = 43 Medientitel, Pearson-Korrelation r = 0.77, p 0.001 <
Qualitätswahrnehmung des Publikums
(N = 8 710 Beurteilungen)
Berichterstattungsqualität (N = 18 365 Beiträge)
  • Tages-und Onlinezeitungen
  • Sonntagszeitungen und Magazine
  • Boulevard- und Pendlerzeitungen
  • Radio- und Fernsehsendungen

Verschiedene Methoden kommen zu ähnlichen Ergebnissen Die X-Achse zeigt die inhaltsanalytisch gemessene Berichterstattungsqualität auf einer Skala von 0 (sehr niedrig) bis 10 (sehr hoch). An der Y-Achse lässt sich die Qualitätswahrnehmung des Publikums, wie sie mittels Onlinebefragung gemessen wurde, ablesen. Die zugehörige Frage lautet: «Wie schätzen Sie die Qualität von [Medientitel] insgesamt ein?». Die Skala reicht von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut).

Lesebeispiel: Die Boulevard- und Pendlerzeitungen sind rot eingefärbt. Diese Gruppe schneidet, was Berichterstattungsqualität (Inhaltsanalyse) und Wahrnehmungsqualität (Publikumsbefragung) anbelangt, am schlechtesten ab (Position unten links).

Was wurde untersucht? Das Medienqualitätsrating (MQR) analysiert und bewertet die Qualität von reichweitenstarken Medientiteln aus der Deutschschweiz und der Suisse romande aus den Gattungen Presse, Radio, Fernsehen und Online. Insgesamt wurden 43 Medientitel, die eine journalistische Berichterstattung aufweisen, untersucht: Boulevard-, Online-, Pendler- und Sonntagszeitungen, Magazine, Onlinesites sowie Radio- und Fernsehsendungen.

Einteilung in vier Gruppen Doch wie lassen sich einzelne Medientitel überhaupt sinnvoll miteinander vergleichen? Die untersuchten Medientitel gehören unterschiedlichen Gattungen (Radio, Fernsehen, Presse, Online) an, verfügen über unterschiedliche Publikationszyklen und zeichnen sich durch unterschiedliche inhaltliche Ausrichtungen aus (z.B. Qualitäts- und Boulevardpresse). Die vorgenommene Einteilung in die vier Gruppen «Tages- und Onlinezeitungen», «Sonntagszeitungen und Magazine», «Boulevard- und Pendlerzeitungen» sowie «Radio- und Fernsehsendungen» trägt den Merkmalen der Gattung, Erscheinungszyklus und Ausrichtung Rechnung und soll den Lesern Orientierung bieten.

Das Publikum bestätigt demokratisches Qualitätsverständnis Die Ergebnisse der Berichterstattungsqualität (Inhaltsanalyse) und der Qualitätswahrnehmung des Publikums (Onlinebefragung) korrelieren stark. Das bedeutet: Ein Medientitel, dessen Berichterstattung inhaltlich eine hohe Qualität aufweist, wird in der Regel auch von den Befragten als qualitativ hochwertig eingeschätzt – und umgekehrt. Am besten schneiden die öffentlich-rechtlichen Rundfunksendungen ab (z.B. Echo der Zeit, Tagesschau), am schlechtesten die privaten Boulevard- und Pendlerzeitungen (z.B. blick.ch oder 20 minutes) – ganz gleich ob Online oder Print. Dazwischen ordnen sich die Titel der Gruppe «Tages- und Onlinezeitungen» (z.B. Berner Zeitung, Tages-Anzeiger) sowie die Sonntagszeitungen und Magazine (z.B. Schweiz am Sonntag) ein. Die starke Korrelation ist eine Bestätigung für das demokratietheoretische Qualitätsverständnis, das dem MQR zugrunde liegt. Die Qualitätseinschätzungen der Nutzer decken sich zudem in hohem Mass mit der Qualitätseinstufung, wie sie sich durch die Kombination der vier aus der Demokratietheorie abgeleiteten Qualitätsdimensionen (Relevanz, Vielfalt, Professionalität, Einordnungsleistung) ergibt. Auch dies ist eine Bestätigung für die Validität des gewählten Messverfahrens.

Berichterstattungsqualität (N = 18 365 Beiträge)
Qualitätswahrnehmung des Publikums (N = 8 710 Beurteilungen)

Lesebeispiel: Die Sendung Echo der Zeit erzielt sowohl in der Dimension der Berichterstattungsqualität (Inhaltsanalyse) als auch bei der Qualitätswahrnehmung (Befragung) die besten Ergebnisse.

Qualitätsmatrix Die Qualitätsmatrix ist wie ein Brennglas: Sie verdeutlicht, wie Medientitel im Hinblick auf die Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Qualitätswahrnehmung des Publikums (Y-Achse) innerhalb ihrer Vergleichsgruppe abschneiden. Die meisten Medientitel sind auf der diagonalen Achse positioniert. Dies bedeutet, dass bei diesen Medientiteln beide Messverfahren (Inhaltsanalyse und Befragung) zu ähnlichen Qualitätsbefunden kommen. Landet ein Medientitel ausserhalb der Diagonale, bedeutet dies, dass die beiden Methoden zu unterschiedlichen Befunden kommen. Ein Medientitel oberhalb der Diagonale schneidet beim befragten Publikum besser ab, ein Medientitel unterhalb der Diagonale schneidet in der Inhaltsanalyse besser ab.

Ausnahmen bestätigen die Regel Um die unterschiedlichen Skalen der Berichterstattungsqualität (Inhaltsanalyse) und der Qualitätswahrnehmung (Onlinebefragung) vergleichbar zu machen, wurden sie in der Qualitätsmatrix gemäss den Ausprägungen überdurchschnittlich (+1), durchschnittlich (0) und unterdurchschnittlich (–1) standardisiert.

Auf diese Weise zeigt sich, dass sich in den meisten Fällen die Ergebnisse beider Methoden decken (diagonale Achse). Allerdings gibt es einige Ausnahmen: Während die Luzerner Zeitung, lenouvelliste.ch sowie ZüriNews auf TeleZüri in der Gunst der Rezipienten höher stehen, als die inhaltliche Berichterstattungsqualität vermuten liesse (oberhalb der Diagonale), verhält es sich bei Le Temps und dessen Onlineausgabe letemps.ch sowie bei der RTS-Sendung Le 12h30 gerade umgekehrt (unterhalb der Diagonale).

Tages- und Onlinezeitungen

Qualitätswahrnehmung
Berichterstattungsqualität

Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung des Publikums Die Grafik zeigt für die Analyse der Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Analyse der Qualitätswahrnehmung (Y-Achse), ob ein Medientitel im Vergleich mit der Gruppe unterdurchschnittliche (–1), durchschnittliche (0) oder überdurchschnittliche (+1) Qualitätswerte erzielt. Bei Titeln, die sich in der Diagonale positionieren, kommen beide Messverfahren zu analogen Befunden. Bei Titeln ausserhalb der Diagonale weichen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung voneinander ab. Punkte oberhalb der Diagonale bedeuten, dass der Medientitel vom befragten Publikum besser bewertet wird. Kommt der Medientitel unterhalb der Diagonale zu liegen, schneidet er in der Inhaltsanalyse besser ab.

Lesebeispiel: Vergleicht man die Neue Luzerner Zeitung mit den übrigen Tages- und Onlinezeitungen, erweist sich die inhaltsanalytisch gemessene Qualität als durchschnittlich. Bei der Befragung schneidet der Titel jedoch üerdurchschnittlich gut ab.

Die Medienmarke «NZZ» ist klare Gewinnerin im Qualitätsrating der Tages- und Onlinezeitungen Deutlich erkennbar sind die «NZZ» sowie die entsprechende Newssite nzz.ch die Spitzenreiter im Qualitätsrating dieser Vergleichsgruppe. Sie positionieren sich entsprechend oben rechts in der Qualitätsmatrix. Der Befund, dass die Publikumsbefragung regelhaft zu ähnlichen Qualitätseinschätzungen kommt wie die Inhaltsanalyse, bestätigt sich auch bei der Gruppe «Tages- und Onlinezeitungen». Auf der gegenüberliegenden Seite kommt watson.ch zu liegen, der einzige Titel, der kein gedrucktes Pendant kennt und – wie beide Messmethoden bestätigen – qualitativ nur knapp mit der Vergleichsgruppe mithalten kann. Generell bescheinigt die Inhaltsanalyse, dass die Qualität der Onlineangebote u.a. aufgrund des grösseren Gewichts von wenig einordnenden Agenturmeldungen nicht an die Qualität

der herkömmlichen Printerzeugnisse heranreicht. Der digitale Kanal transportiert also zumeist nicht dieselbe Qualität wie der Offlinekanal. Eine Ausnahme stellen hier allerdings die NZZ und ihr Onlinependant nzz.ch dar. Bemerkenswert sind darüber hinaus die fünf Medientitel, bei denen Inhaltsanalyse und Befragung keine deckungsgleichen Befunde liefern. Sie lassen sich zwei Gruppen zuordnen. Erstens gibt es Medien, denen die Inhaltsanalyse ein durchschnittliches Zeugnis ausstellt, die aber beim befragten Publikum durchfallen. Es sind dies die Basler Zeitung on- und offline und die Südostschweiz. Zur zweiten Gruppe zählen die Neue Luzerner Zeitung und deren Newssite. Hier schätzen die Befragten die Qualität höher ein, als die Inhaltsanalyse diese ausweist.

 
 
 
Beurteilungen (N)
Qualitätsindex
Experten
 
 
176
3.4
Publikum
Bildungsgrad Alter in Jahren
Gering Mittel Hoch 15–34 35–54 55–74
225 1387 1328 1102 1100 738
3.6 3.6 3.6 3.6 3.6 3.7

Die Skala reicht von 1 (sehr niedrig) bis 5 (sehr hoch)

Experten sind mit Publikumsgruppen einig 59 ausgewählte Experten (48 Männer, 11 Frauen) aus Politik, Wirtschaft und Medien haben die Qualität einzelner Medientitel eingeschätzt. Hierbei haben sie zu den einzelnen Tages- und Onlinezeitungen 176 Bewertungen abgegeben. Die Aussagekraft der Daten ist limitiert, dennoch kann man festhalten, dass die Medienexperten die Berichterstattungsqualität der Tages- und Onlinezeitungen ähnlich einschätzen wie das Publikum. In der Schweiz scheint sogar über soziodemografische Gruppen hinweg ein grundsätzlicher Konsens über die Qualität der Tages- und Onlinezeitungen vorzuherrschen.

Generelle Entwicklung der Gruppe «Tages- und Onlinezeitungen» Die gedruckte Abonnementspresse ist einem fundamentalen Wandel ausgesetzt. Grosse Herausforderungen ergeben sich aus veränderten Nutzungsgewohnheiten, rückläufigen Leserzahlen und Werbeeinnahmen sowie aus den starken Konzentrationsprozessen der letzten Jahre. Begleiterscheinungen sind Zusammenlegungen von ehemals getrennten Redaktionen in integrierte Newsrooms, fortgesetzte Sparrunden sowie der Abbau von journalistischem Personal. Die Reduktion finanzieller, personeller und zeitlicher Ressourcen lässt die publizistische Qualität im Informationsjournalismus nicht unbeeinflusst. Zusätzlich geraten die Zeitungen on- und offline nun im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung in Bedrängnis: Onlinestrategien werden akzentuiert, aber entgegen den ursprünglichen Erwartungen erfüllen sich die Renditeerwartungen im Bereich der Online-Informationspublizistik nicht im gewünschten Masse. Die Aversion der Nutzer gegen Werbung ist im Onlinebereich besonders ausgeprägt. Zudem geraten die hiesigen Informationsanbieter zunehmend unter Druck der Tech-Giganten Facebook und Google. Diesen fliessen in substantiellem Masse Werbegelder zu, die dann dem Informationsjournalismus fehlen. Auch positionieren sich die Tech- Giganten als Newsaggregatoren. Damit droht ein Bedeutungsverlust klassischer Medienmarken. Die Medienunternehmen reagieren mit unterschiedlichen digitalen Strategien auf diese Herausforderungen. Es werden «harte» oder «metered» Paywalls eingezogen, Kooperationen mit den Tech-Giganten eingegangen oder in Abgrenzung zu ihnen neue Werbeallianzen gegründet.

Sonntagszeitungen und Magazine

Qualitätswahrnehmung
Berichterstattungsqualität

Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung des Publikums

Die Grafik zeigt für die Analyse der Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Analyse der Qualitätswahrnehmung (Y-Achse), ob ein Medientitel im Vergleich mit der Gruppe unterdurchschnittliche (–1), durchschnittliche (0) oder überdurchschnittliche (+1) Qualitätswerte erzielt. Bei Titeln, die sich in der Diagonale positionieren, kommen beide Messverfahren zu analogen Befunden. Bei Titeln ausserhalb der Diagonale weichen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung voneinander ab. Punkte oberhalb der Diagonale bedeuten, dass der Medientitel vom befragten Publikum besser bewertet wird. Kommt der Medientitel unterhalb der Diagonale zu liegen, schneidet er in der Inhaltsanalyse besser ab.

Lesebeispiel: Die NZZ am Sonntag schneidet in der Vergleichsgruppe «Sonntagszeitungen und Magazine» sowohl bei der Inhaltsanalyse, als auch bei der Befragung überdurchschnittlich gut ab.

NZZ am Sonntag wird ihrem Anspruch, «die Qualitätszeitung unter den Sonntagszeitungen» zu sein, gerecht Die NZZ am Sonntag ist die eindeutige Gewinnerin in dieser Vergleichsgruppe. Beide Messmethoden attestieren dem Titel überdurchschnittliche Qualitätswerte. Deutlich reichweitenstärker, qualitativ vergleichbar, aber nicht ganz auf demselben Niveau, positioniert sich die Deutschschweizer SonntagsZeitung aus dem Hause Tamedia. Hier trifft gute Qualität bei der Inhaltsanalyse auf eine tendenziell über dem Schnitt liegende Qualitätsbewertung durch das Publikum. Etwas abgesetzt vom Rest liegt der SonntagsBlick, der aufgrund seiner Ausrichtung auf boulevardeske Inhalte nur schwer mit den übrigen Sonntagszeitungen mithalten kann. Le Matin Dimanche

beweist allerdings das Gegenteil. Der französischsprachige Sonntagsboulevard befindet sich punkto Inhaltsanalyse auf der Höhe der SonntagsZeitung und des Titels Schweiz am Sonntag. Schliesslich erweist sich auch die Weltwoche als durchaus würdige Vergleichskandidatin, zumindest was die Inhaltsanalyse anbelangt. Lediglich die NZZ am Sonntag erzielt in dieser Gruppe höhere Qualitätswerte. Bei der Befragung hingegen setzt der Weltwoche ihr Ruf, einen moralisch-emotionalen, gegen politische Kontrahenten gerichteten Kampagnenstil zu betreiben zu. Hier liegen die Werte gerade noch im Durchschnitt der übrigen Vergleichsmedien.

 
 
 
Beurteilungen (N)
Qualitätsindex
Vertrauensindex
Experten
 
 
65
3.1
2.8
Publikum
Gesamt nach Bildungsgrad
  Gering Mittel Hoch
1327 86 673 569
3.4 3.3 3.4 3.4
3.4 3.3 3.4 3.4

Die Skala reicht von 1 (sehr niedrig) bis 5 (sehr hoch)

Vertrauen Experten weniger? Zusätzlich zur Bevölkerung haben auch 59 ausgewählte Experten (48 Männer, 11 Frauen) aus Politik, Wirtschaft und Medien die Qualität einzelner Medientitel eingeschätzt. Zu den Sonntagszeitungen und dem Magazin haben die Experten 65 Bewertungen abgegeben. Auch wenn die Aussagekraft der Daten eingeschränkt ist, lässt sich festhalten, dass Medienexperten weniger Vertrauen in Sonntagszeitungen und das Magazin setzen als das Publikum – und zwar selbst dann, wenn man nur die gebildete Bevölkerungsschicht als Vergleichsmassstab heranzieht.

Generelle Entwicklung der Gruppe «Sonntagszeitungen und Magazine» Sonntag ist Ruhetag. Dann findet die Schweizer Bevölkerung Zeit zum Lesen. Dieser Tatbestand spiegelt sich in der vergleichsweise hohen Reichweite der Sonntagszeitungen und darin, dass die Auflagezahlen nicht so stark rückläufig sind wie bei der täglich erscheinenden Abonnementspresse. Auch zu dieser Gruppe zählt die ebenfalls wöchentlich erscheinende Weltwoche. Trotz unterschiedlichen Umfangs und Zielpublikums ist die gemeinsame Betrachtung gerechtfertigt. Sowohl das Magazin Weltwoche als auch die Sonntagszeitungen können sich aufgrund ihres Erscheinungsrhythmus, der mehr Zeit für die Recherche lässt, auf einordnende Hintergrundberichterstattung und auf investigativen Journalismus spezialisieren. Diese Faktoren sind prägend für das Qualitätsprofil der in dieser Gruppe untersuchten Medientitel. Ebenso der Umstand, dass bei den Sonntagszeitungen der Anteil des Kioskverkaufs relativ hoch und der Kaufentscheid schwankend ist, so dass sie auf Aufmerksamkeit erregende Primeurs angewiesen sind. Das Magazin wiederum profiliert sich mit Beiträgen, in denen – weltanschaulich verankert – eine bewusste Gegenposition zu vorherrschenden Interpretationen eingenommen wird. Regelmässig gelingt es diesen Blättern, mit Enthüllungen starke Reaktionen in der Medienarena auszulösen.

Boulevard- und Pendlerzeitungen

Qualitätswahrnehmung
Berichterstattungsqualität

Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung des Publikums Die Grafik zeigt für die Analyse der Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Analyse der Qualitätswahrnehmung (Y-Achse), ob ein Medientitel im Vergleich mit der Gruppe unterdurchschnittliche (–1), durchschnittliche (0) oder überdurchschnittliche (+1) Qualitätswerte erzielt. Bei Titeln, die sich in der Diagonale positionieren, kommen beide Messverfahren zu analogen Befunden. Bei Titeln ausserhalb der Diagonale weichen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung voneinander ab. Punkte oberhalb der Diagonale bedeuten, dass der Medientitel vom befragten Publikum besser bewertet wird. Kommt der Medientitel unterhalb der Diagonale zu liegen, schneidet er in der Inhaltsanalyse besser ab.

Lesebeispiel: Vergleicht man 20 minutes mit den übrigen Boulevard- und Pendlerzeitungen, erweist sich die inhaltsanalytisch gemessene Qualität als durchschnittlich. Bei der Befragung erzielt der Titel jedoch nur unterdurchschnittliche Werte.

Die Newssite von 20 Minuten ist das überzeugendste Angebot in der Gruppe «Boulevard- und Pendlerzeitungen» Zwei Newssites belegen die Spitzenplätze im Medienqualitätsrating der Gruppe «Boulevard- und Pendlerzeitungen». Es sind dies lematin.ch und 20minuten.ch. Während sich ausserhalb dieser Gruppe die Regel bestätigt, dass sich die gedruckten Ausgaben qualitativ besser positionieren als die entsprechenden Webangebote, verhält es sich in dieser Vergleichsgruppe gerade umgekehrt. Die Onlinemedientitel schneiden regelhaft besser ab als die gedruckten Ausgaben. Einzige Ausnahme bilden die beiden Blick-Titel, die im Gruppenranking deutlich abgeschlagen vom Rest die Schlusslichter der Analyse bilden.

Den Spitzenplatz der Gruppe teilen sich die deutschsprachige Onlineausgabe von 20 Minuten und die französischsprachige Onlineausgabe von Le Matin. Ähnliche bzw. leicht überdurchschnittliche Befragungswerte in der Vergleichsgruppe zeigen sich bei den drei Medien im Mittelfeld. Während bei 20 Minuten die beiden Messverfahren zu sehr ähnlichen Qualitätseinschätzungen gelangen, weicht die Inhaltsanalyse bei 20minutes.ch und Le Matin leicht negativ von der Befragung ab. Ein spannender Fall ist auch 20 minutes: Der Titel liegt gemäss Befragten fast auf dem Niveau des Blicks, die Inhaltsanalyse weist jedoch deutlich solidere Qualitätswerte aus.

 
 
 
Beurteilungen (N)
Qualitätsindex
Vertrauensindex
Experten
 
 
79
2.3
2.5
Publikum
Gesamt nach Bildungsgrad
  Gering Mittel Hoch
2132 185 1146 801
3.0 3.3 3.1 2.7
3.0 3.3 3.1 2.8

Die Skala reicht von 1 (sehr niedrig) bis 5 (sehr hoch)

Experten äussern Vorbehalte Neben der Bevölkerung haben 59 ausgewählte Experten (48 Männer, 11 Frauen) aus Politik, Wirtschaft und Medien die Qualität einzelner Medientitel eingeschätzt. Zu den einzelnen Boulevard- und Pendlerzeitungen haben sie insgesamt 79 Bewertungen abgegeben. Zwar ist die Datenlage nur bedingt aussagekräftig, in der Tendenz zeigt sich jedoch, dass Medienexperten die Qualität der Medientitel durchweg schlechter einschätzen als die Bevölkerung. Eine mögliche Erklärung könnte im hohen Bildungsniveau der Experten liegen, denn die Aufschlüsselung der Publikumsdaten nach Bildung zeigt, dass die Boulevard- und Pendlerzeitungen umso schlechter eingeschätzt werden, je gebildeter die Befragten sind.

Generelle Entwicklung der Gruppe «Boulevard- und Pendlerzeitungen» Die Schweiz erhielt ihre erste Boulevardzeitung 1959. Der Blick avancierte innert kurzer Zeit zur meistgelesenen Zeitung. Durch den Markteintritt der Pendlerzeitungen ist den klassischen, bezahlpflichtigen Boulevardmedien allerdings starke Konkurrenz erwachsen. Auch die Pendlerzeitung 20 Minuten mit ihren sprachregionalen Pendants und der Blick am Abend (nicht Bestandteil der Analyse) setzen auf rasch konsumierbare News-Kost, d.h. auf Softnews mit Unterhaltungscharakter. Im Zuge der Digitalisierung hat sich die Boulevardisierungstendenz nochmals erhöht. Sowohl der klassische Boulevard als auch die Pendlerzeitungen haben in den 2000er Jahren erfolgreiche Webangebote mit grossem Verbreitungsgrad geschaffen. Im Zuge dieser Entwicklungen hat sich eine neue Währung etabliert: Über Klick- und Viralitätsraten generierte Reichweite. Softnews, emotionsgeladene, empörungsstiftende Storys und auf prominente Personen abzielende Darstellungen werden besonders häufig angeklickt. Dies beeinflusst die publizistische Strategie und prägt das Qualitätsprofil der untersuchten Titel in dieser Gruppe. Das hohe Publikumsinteresse animiert im Gegenzug die werbetreibende Wirtschaft zu mehr Investitionen. Trotz möglicher Vorbehalte ist Boulevardjournalismus für demokratische Gesellschaften wichtig: Er kann eine wichtige Kontroll- bzw. Watchdog-Funktion übernehmen und ist in der Lage, Themen durch einen lebensweltlich nahen journalistischen Zugriff zu erschliessen. Die Voraussetzung ist allerdings, dass er sich in ausreichendem Mass mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen beschäftigt.

Radio- und Fernsehsendungen

Qualitätswahrnehmung
Berichterstattungsqualität

Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung des Publikums Die Grafik zeigt für die Analyse der Berichterstattungsqualität (X-Achse) und die Analyse der Qualitätswahrnehmung (Y-Achse), ob ein Medientitel im Vergleich mit der Gruppe unterdurchschnittliche (–1), durchschnittliche (0) oder überdurchschnittliche (+1) Qualitätswerte erzielt. Bei Titeln, die sich in der Diagonale positionieren, kommen beide Messverfahren zu analogen Befunden. Bei Titeln ausserhalb der Diagonale weichen die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung voneinander ab. Punkte oberhalb der Diagonale bedeuten, dass der Medientitel vom befragten Publikum besser bewertet wird. Kommt der Medientitel unterhalb der Diagonale zu liegen, schneidet er in der Inhaltsanalyse besser ab.

Lesebeispiel: Echo der Zeit erreicht sowohl in der Publikumsbefragung wie auch in der inhaltsanalytisch erfassten Berichterstattungsqualität überdurchschnittlich hohe Werte.

Das Echo der Zeit bleibt punkto Medienqualität das Mass der Dinge Die Gruppe «Radio- und Fernsehsendungen» umfasst zehn untersuchte Angebote: Acht SRG-Sendungen, darunter die beiden Newssites srf.ch/news und rts.ch/info, sowie zwei Sendungen aus dem privaten Sektor. Die Qualität der SRG-Sendungen kann als überwiegend positiv bezeichnet werden. An der Spitze fährt das Flaggschiff des Schweizer Radios: die Sendung Echo der Zeit. Befragte nehmen die Sendung sogar noch etwas besser wahr, als die Inhaltsanalyse konstatiert. Die restlichen SRG-Sendungen liegen allesamt sehr nah beieinander. Insbesondere das befragte Publikum macht nur geringfügige Qualitätsunterschiede zwischen diesen Sendungen aus.

Bei der Inhaltsanalyse erweisen sich die beiden Newsportale srf.ch/news und rts.ch/info jedoch als qualitativ etwas schlechter; die beiden Nachrichtensendungen des öffentlichen Radios (Le 12h30 und Rendez-vous) positionieren sich dagegen unmittelbar hinter dem Leuchtturm Echo der Zeit. Auch aufgrund der deutlich geringeren Ressourcen können die beiden privaten TV-Sender nicht mit den SRG-Programmen mithalten. Dabei schneidet das konzessinierte, gebührenunterstützte Léman Bleu in der Inhaltsanalyse, nicht aber bei den Befragten etwas besser ab als das nicht konzessionierte TeleZüri.

 
 
 
Beurteilungen (N)
Qualitätsindex
Vertrauensindex
Gesamt
Experten Publikum
 
93 2311
3.6 3.7
3.9 3.9
SRG-Titel
Experten Publikum
 
79 1956
3.8 3.8
4.2 4.0
Privatsender
Experten Publikum
 
14 356
2.3 3.3
2.5 3.5

Die Skala reicht von 1 (sehr niedrig) bis 5 (sehr hoch)

Schätzen Experten die SRG-Titel besser ein? Es wurden 59 ausgewählte Experten (48 Männer, 11 Frauen) aus Politik und Wirtschaft gefragt, wie sie einzelne Sendungen wahrnehmen. Zu den einzelnen Radio- und Fernsehsendungen haben sie insgesamt 93 Bewertungen abgegeben. Dabei schätzen die Medienexperten die Berichterstattungsqualität der Radio- und Fernsehsendungen als ebenso gut ein wie das Publikum. Auch wenn die Daten nur bedingt aussagekräftig sind, lassen sie doch folgende Vermutung zu: Die Experten schätzen die Qualität der Berichterstattung der SRG-Sendungen etwas besser ein (und jene der Privatsender entsprechend schlechter).

Generelle Entwicklung der Gruppe «Radio- und Fernsehsendungen» Nach wie vor gehören Radio und Fernsehen zu den reichweitenstärksten Mediengattungen in der Schweiz. Übralterung und wegbrechendes Publikum sowie die neuen Möglichkeiten digitaler Verbreitung üben aber zunehmend Druck auf die traditionellen Informationsgefässe im Rundfunk aus. Eine Besonderheit und, wie die aktuelle Kontroverse um die SRG zeigt, zunehmende Herausforderung ist die starke Stellung des gebührenunterstützten öffentlichen Rundfunks. Die in Bezug auf ihre Ressourcen komfortabel ausgestatteten Nachrichtensendungen des öffentlichen Rundfunks bilden nach wie vor die Leuchttürme der Qualität in der Schweizer Rundfunkmedien-Landschaft. In der mehrsprachigen und kleinräumigen Schweiz hat der Privatrundfunk primär lokal-regionale Bedeutung. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind auch Privatfernsehsender, die News anbieten, auf Gebühren angewiesen. In diesem spannungsgeladenen und von grossen Qualitätsunterschieden geprägten Feld operieren Sender mit unterschiedlich starker Regulierung und unterschiedlich vielen Ressourcen. Dabei gilt, dass die zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen und die Existenz eines Leistungsauftrags die Qualität in der Regel positiv beeinflussen. Da ein zentrales Kriterium für die Auswahl der Sendungen die Reichweite ist, ist die SRG mit sechs Rundfunksendungen und zwei Onlineportalen im Vergleich mit privaten Anbietern übervertreten. Dennoch wurde je eine Informationssendung eines nicht konzessionierten (TeleZüri) und eines konzessionierten, gebührenunterstützten Privatfernsehprogramms (Léman Bleu) einbezogen. Es ist geplant, in den künftigen Runden des Medienqualitätsratings das Segment der privaten Rundfunkanbieter auszubauen.