Qualitätsverständnis und Vorgehen

Das Medienqualitätsrating (MQR) analysiert und bewertet die Qualität von reichweitenstarken Informationsmedien aus der Deutschschweiz und der Suisse romande. Für die Ausgabe 2016 wurden 43 Medientitel der Gattungen Presse, Radio, Fernsehen sowie aus dem Onlinesegment berücksichtigt.

Es wurden ausschliesslich General-Interest-Medien einbezogen, d.h. Medientitel, die zumindest wöchentlich über ein breites, universelles Themenspektrum unter Einschluss von Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft berichten.

Ziel des Projektes ist es, eine Bestenliste der qualitativ hochwertigsten Informationsmedien in der Schweiz zu erstellen.

Dieses Rating erfolgt je gesondert für vier Mediengruppen mit einer vergleichbaren publizistischen Ausrichtung:

  • Vergleichsgruppe 1: Tages- und Onlinezeitungen. Die erste Gruppe rekrutiert sich aus den traditionellen Abonnementszeitungen und deren jeweiligen Onlineausgaben. Ergänzt wird die Gruppe um den Online-Pure-Player watson.ch. Sie umfasst insgesamt 19 Medientitel (Aargauer Zeitung, Basler Zeitung, bazonline.ch, Berner Zeitung, bernerzeitung.ch, Neue Luzerner Zeitung, luzernerzeitung.ch, Neue Zürcher Zeitung, nzz.ch, Südostschweiz, Tages-Anzeiger, tagesanzeiger.ch, watson.ch, 24 heures, 24heures.ch, Le Nouvelliste, lenouvelliste.ch, Le Temps, letemps.ch).
  • Vergleichsgruppe 2: Sonntagszeitungen und Magazine. Die zweite Gruppe umfasst wöchentlich erscheinende Presseerzeugnisse, d.h. die Sonntagszeitungen und das Magazin Weltwoche. Es handelt sich hier um Informationsmedien, die typischerweise auf Einordnung und Hintergrundberichterstattung spezialisiert sind und auf Aufmerksamkeit erzeugende Primeurs (d.h. Erstveröffentlichungen brisanter Themen) abzielen. Diese Gruppe zählt insgesamt sechs Medientitel (NZZ am Sonntag, Schweiz am Sonntag, SonntagsBlick, SonntagsZeitung, Weltwoche, Le Matin Dimanche).
  • Vergleichsgruppe 3: Boulevard- und Pendlerzeitungen. Die dritte Gruppe rekrutiert sich aus Boulevard- und Pendlerzeitungen mit ihren Print- und Onlineausgaben. Dies sind zumeist sehr reichweitenstarke Angebote, die auf rasch konsumierbare News sowie auf Unterhaltung spezialisiert sind. Die Gruppe umfasst insgesamt acht Medientitel (20 Minuten, 20minuten.ch, Blick, blick.ch, 20 minutes, 20minutes.ch, Le Matin, lematin.ch).
  • Vergleichsgruppe 4: Radio- und Fernsehsendungen. Schliesslich umfasst die vierte Gruppe private und öffentliche, gebührenfinanzierte Informationssendungen aus dem Radio und Fernsehsektor. Zu dieser Gruppe zählen insgesamt zehn Titel, d.h. sechs Radio- und Fernsehsendungen der SRG SSR, die beiden SRG SSR-Onlineportale sowie zwei Informationssendungen eines nicht konzessionierten und eines konzessionierten, gebührenunterstützten Privatfernsehprogramms (SRF Tagesschau, SRF 10 vor 10, TeleZüri – ZüriNews, SRF Rendez-vous, SRF Echo der Zeit, srf.ch/news, Léman Bleu – Le Journal, RTS Le Journal, RTS Le 12h30, rts.ch/info).

Dem Projekt liegt ein demokratietheoretisch begründeter Qualitätsbegriff zugrunde. Demzufolge bemisst sich Medienqualität daran, wie gut Informationsmedien den demokratischen Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation dienen (Hagen 2015, McQuail 1992, Schatz/Schulz 1992). Zentrale Leistungsfunktionen öffentlicher Kommunikation sind:

  • Integrationsfunktion: Berichten Medien in ausreichendem Mass über das für das demokratische Gemeinwesen allgemein Relevante anstatt über das Partikuläre und Private? Vermeiden Medien ausgrenzende oder abwertende moralisch-emotionale Zuspitzungen und Polemik? Pflegen sie einen Diskursstil, welcher die Verständigung zwischen unterschiedlichen Gruppierungen und gesellschaftlichen Kräften unterstützt?
  • Kontrollfunktion: Kontrollieren Informationsmedien die rechtsstaatlichen Institutionen sowie die Machtträger der Gesellschaft auf der Basis guter Gründe und fundierter Recherche? Operieren sie unabhängig von staatlicher und wirtschaftlicher Beeinflussung? Halten sie in ihrer kritischen Berichterstattung die Grundsätze des professionellen Informationsjournalismus ein, d.h., trennen sie beispielsweise Nachrichten von Meinungen und machen sie die Quellen ihrer Berichterstattung transparent?
  • Forumsfunktion: Bieten die Informationsmedien allen gesellschaftlichen Akteuren mit ihren Meinungen ein Forum? Vermeiden sie Vereinseitigungen? Bildet die Berichterstattung die gesellschaftliche Vielfalt ausreichend ab, was die beleuchteten Themen, Perspektiven und Meinungen betrifft?

Dieses demokratietheoretische Qualitätsverständnis ist gesellschaftlich breit verankert, es findet sich in den gesetzlichen Anforderungen an den öffentlichen und privaten Rundfunk mit Leistungsauftrag, in den Leitbildern des professionellen Journalismus, in journalistischen Leitlinien, in den Satzungen von Presse- und Medienräten und in sozialwissenschaftlichen Qualitätsanalysen. Und dieses Qualitätsverständnis bildet – wie mit diesem Bericht nun erstmals auch wissenschaftlich gezeigt werden kann – auch den Massstab, mit dem das Publikum die Qualität des Journalismus bewertet.

Die Qualität der Medien wird auf der Grundlage von vier Qualitätsdimensionen operationalisiert, d.h. messbar gemacht:

  • Relevanz, d.h. Fokussierung auf gesellschaftlich relevante Themen, Verhältnis von Hardnews und Softnews, Einfluss auf die politische Meinungsbildung.
  • Vielfalt der Themen und Blickwinkel.
  • Professionalität in Form von Sachlichkeit, Unabhängigkeit, Quellentransparenz, Eigenleistung und anderen journalistischen Professionsnormen.
  • Einordnungsleistung in Form der Vermittlung von Hintergrundwissen zu aktuellen Ereignissen, des Aufzeigens von Ursache- Wirkung-Beziehungen, der Qualität journalistischer Recherche sowie in Form der Interpretations- und Orientierungsleistung.

Das Medienqualitätsrating 2016 stützt sich auf zwei Messverfahren bzw. Module:

Das Modul Berichterstattungsqualität: Erfasst die Berichterstattungsqualität der Medientitel aus der Deutschschweiz und der Suisse romande mit inhaltsanalytischen Verfahren. Ganze Publikationsausgaben eines Medientitels werden auf der Grundlage einer repräsentativen, über das ganze Untersuchungsjahr verteilten Stichprobe untersucht. Verantwortlich für dieses Modul ist das fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (Prof. Dr. Mark Eisenegger und Team).

Das Modul Qualitätswahrnehmung: Erfasst die Qualitätswahrnehmung der untersuchten Medientitel mit einer repräsentativen Publikumsumfrage in der Deutschschweiz und der Suisse romande. Ergänzend wird eine Befragung mit ausgewählten Experten aus Wirtschaft, Politik und Medien, von Agenturen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen durchgeführt. Ausserdem werden Gerichtsurteile, Stellungnahmen des Presserats sowie Entscheidungen der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) ausgewertet. Durchgeführt und verantwortet wurde dieses Modul von Prof. Dr. Diana Ingenhoff vom Departement für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (DCM) der Universität Fribourg unter Mitarbeit von Dr. Philipp Bachmann vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) der Universität Zürich. Die Befragungsdaten wurden von der GfK Switzerland erhoben.

Da beide Module Medienqualität auf der Basis aufeinander abgestimmter Indikatoren erfassen, ist es möglich, die Ergebnisse der inhaltsanalytisch erfassten Berichterstattungsqualität (Qualitätsscores) mit den mittels Onlinebefragungen gemessen Qualitätswahrnehmungen des Publikums zu vergleichen.