Vorwort

Das Medienqualitätsrating (MQR) will die Medienqualität in der Schweiz fördern und das Qualitätsbewusstsein bei den Medien selbst sowie bei den Mediennutzern stärken. Mit diesem Anspruch tritt der Stifterverein Medienqualität an, der im September 2014 das Projekt MQR erstmals vorgestellt hat. Nun liegt die Erstausgabe vor. Es ist – auch international gesehen – eine Premiere, dass zugleich die Berichterstattungsqualität von Informationsmedien in ihren wesentlichen Dimensionen gemessen, die Qualitätswahrnehmung der Medientitel beim Publikum erhoben wird und ergänzende Beurteilungen von professionellen Mediennutzern sowie Urteile dritter Instanzen berücksichtigt werden.

Der hohe Aufwand ist der Sache angemessen: Die Qualität der Informationsmedien bleibt elementar für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit relevanten Themen. Medienqualität schlägt sich direkt in der Qualität des demokratischen Diskurses nieder. Dem MQR liegt deshalb ein demokratietheoretisches Qualitätsverständnis zugrunde, das den gesellschaftlichen Nutzen des Journalismus in den Mittelpunkt stellt.

Durch aktuelle Entwicklungen ist die Medienqualität jedoch bedroht. Sie seien hier nur kurz umrissen: Die Digitalisierung hat das Mediensystem durchgeschüttelt und das Geschäftsmodell traditioneller Verlagshäuser ins Wanken gebracht. Das Internet bringt eine Ausweitung des Medienangebots mit sich. Die vertrauten Schweizer Medienmarken – konkurrenziert durch Blogs, Social Media und internationale Medienkonzerne – haben ihre Position als Leitmedien zum Teil eingebüsst.

Die Logik des digitalen Medienmarktes, dessen Masseinheit die Reichweite ist, verändert die Publizistik. Online ist der meistgeklickte Artikel der beste. Das Publikum bestimmt so die Wichtigkeit von Informationen wesentlich mit.

Die Resonanz eines Beitrags beim Publikum wird für den Journalisten wichtiger als die publizistische Relevanz, die er in der Sache an sich erkennt. Leicht konsumierbare Info-Snacks sind die ertragreiche Handelsware der Massenmedien. Fotos und Videos von Ereignissen erscheinen oft wirkungsvoller als Hintergrundinformationen und Analysen komplexer Sachverhalte. Diese Entwicklung kann die Qualität der Medien gefährden. Deshalb müssen im digitalisierten Mediensystem die Einstellungen neu justiert und Werte kalibriert werden. Dazu will das MQR einen Beitrag leisten. Unumstössliche Pfeiler der Medienqualität bleiben Professionalität, Einordnungsleistung, Vielfalt und Relevanz im Rahmen der demokratischen Meinungsbildung. Indem wir das Informationsangebot der überregionalen Informationsmedien nach diesen Kriterien messen und Qualität auszeichnen, fördern wir diese Qualität. Nicht zuletzt ist das MQR auch eine Wertschätzung der redaktionellen Leistung der Leitmedien, die trotz aller Umwälzungen unverzichtbar bleiben wird und die es zu erhalten gilt.

Diese Erstausgabe des MQR ist ein Anfang. Aus Budgetgründen mussten wir uns auf 43 reichweitenstarke Titel beschränken. Bei späteren Ausgaben kann das Sample hoffentlich erweitert werden, um die hiesige Medienlandschaft umfassender abzubilden. Ausserdem konnte die Analyse der organisationsinternen Qualitätssicherungsprozessenicht wie geplant als integrales Modul des MQR durchgeführt werden. Einige Verlage waren nicht auf Anhieb bereit, dem beauftragten Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW Einblick zu geben und unsere Fragen zu beantworten. Wir bleiben dran.

Herzlichen Dank all jenen, die uns mit ihrem grossen Interesse, mit Lob und Kritik, motiviert haben. Grossen Dank den ausführenden Instituten, unseren Vereinsmitgliedern und den Donatoren (Liste Seite 76), die mit ihrer grossartigen Unterstützung dieses Werk ermöglicht haben.

September 2016




Andreas Durisch, Gründungsmitglied Stifterverein Medienqualität Schweiz

Das goldene Q erhalten diejenigen Medien,
die Qualitätsleader ihrer Gruppe sind.

Im 2016 sind dies:
  • Neue Zürcher Zeitung (Vergleichsgruppe «Tages- und Onlinezeitungen»)
  • NZZ am Sonntag (Vergleichsgruppe «Sonntagszeitungen und Magazine»)
  • 20minuten.ch (Vergleichsgruppe «Boulevard- und Pendlerzeitungen»)
  • SRF Echo der Zeit (Vergleichsgruppe «Radio- und Fernsehsendungen»)